Seien wir ehrlich – wohl jeder von uns sah sich schon jammernd durch den Tag laufen. Ich schließe mich dabei gar nicht aus. Gründe lassen sich ja schnell finden, was nicht funktioniert, womit wir nicht zufrieden sind, was uns ganz einfach gegen den Strich geht.
Gemeinsam ist diesen Gründen meist eins: schuld daran sind die anderen. Seien es böse Nachbarn, neidische Kollegen, generell die Politik oder einfach der liebe Gott. Ist doch irgendwie seltsam: kaum jemand jammert über etwas, was er sich selbst zuzuschreiben hat. Dies hat wohl damit zu tun, dass wir bei vielen Problemen beinahe reflexartig zuerst nach einem Schuldigen suchen. Ist dieser erst gefunden, fehlt uns dann meist die Energie, die wahren Ursachen zu hinterfragen, also an die Wurzel des Übels zu gehen.
Jammern hat noch dazu die schlechte Eigenschaft, dass es sehr ansteckend ist. Es verstärkt sich wie von selbst. Ich brauche nur genügend Leute um mich herum zu finden, die mit mir jammern. Ob sie dieselben Gründe zu jammern haben, ist dabei schon wieder nebensächlich. Wichtig ist, einen gemeinsamen Schuldigen auszumachen. Dann kann uns nichts mehr bremsen.
Wenn wir schon so ehrlich mit uns selbst sind – gab es bisher jemals einen Fall, wo uns Jammern wirklich weitergebracht hat? Mich hat diese Jammerei, dieses Nörgeln in letzter Zeit mehr und mehr beschäftigt. Vielleicht auch deswegen, weil ich mich selber genauer beobachtete – und manchmal vor mir selbst erschrak. Diese Momente ließen mich nicht mehr los und stellten mir eine – einzige – bohrende Frage: Was brachte Dir die Jammerei? Die Antwort ist kurz und brutal: nichts. Das Jammern brachte mich keinen Deut weiter. Keinen Millimeter kam ich Lösungen näher. Stattdessen erschöpfte sich meine Energie darin, aus einem kleinen Problem ein großes zu machen und aus einem großen ein echtes Drama. Wahrlich kein leichtes Eingeständnis.
Dieses Eingeständnis mag keinen Raum für Sentimentalität lassen. Aber so soll es auch sein. Jammern hat nämlich nichts mit echter Trauer zu tun. Jammern steht zu einem guten Teil für Bequemlichkeit. Und von der Bequemlichkeit ist es nicht weit zum Stillstand. Diesen kann man nur überwinden, indem man sich bewegt. Ohne Jammern ist dann auch die Energie dafür da.