Der Vergleich macht sie nicht zufriedener

Um es für alle, denen die Überschrift irgendwoher bekannt vorkommt, gleich mal vorwegzunehmen: Im Original lautet der Text „Der Vergleich macht sie sicher“ und ist ein langjähriger Siemens-Werbetext.

Mag es beim Kauf von Waschmaschinen so sein, liegt im – ständigen – Vergleich mit anderen Menschen wohl  einer der großen Stolpersteine am Weg zu einem zufriedenen Leben. In unzähligen Büchern und Ratgebern kann man es inzwischen nachlesen, dass das Vergleichen mit anderen gerade nicht dazu beiträgt, ein zufriedenes Leben zu führen.  Ganz im Gegenteil:  Neid engt unser Blickfeld ein und lenkt die Aufmerksamkeit auf andere anstatt auf uns.

Trotzdem tun wir es immer wieder. Bewusst wie unbewusst vergleichen wir uns. Mit den Ergebnissen beschäftigen wir uns dann mitunter tage- und wochenlang. Wir grübeln, regen uns auf und suchen nach Gründen, warum etwas nicht so sein kann, wie es ist. Überhaupt, es sei doch alles nicht fair.

Wer kennt diese Gedanken nicht, wie unfair die Welt doch sei.  Aber bevor wir abgleiten in eine Diskussion über Fairness, nochmals einen Schritt zurück. Gehen die meisten unserer Vergleiche mit anderen Menschen nicht zu kurz? Kennen wir wirklich alle Facetten vom Leben derer, mit denen wir uns vergleichen? Denn für einen umfassenden Vergleich, der eine fundierte Schlussfolgerung zulassen würde, bilden wir unser Urteil in den allermeisten Fällen wohl viel zu früh und leichtfertig. Macht und Geld bedeuten nichts, wenn man im Alter ohne Freunde und Familie ist. Ein vermögender Unternehmer im Ruhestand drückte es einmal  sehr treffend aus: „Mein Porsche kommt mich im Altersheim nicht besuchen.“

Wie kann es dann aber sein, dass wir von vorschnellen Betrachtungen und Einordnungen anderer unsere eigene Zufriedenheit abhängig machen? Und noch einen Gedanken weiter:  kein Mensch gleicht zu 100% einem anderen. Wir alle haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Wenn man dies bedenkt, dann läuft jeder Vergleich mit anderen zur Bestimmung der eigenen Zufriedenheit schon per se ins Leere.

Vielleicht ist es am Ende auch ganz einfach: Wenn wir uns mit anderen vergleichen, stellen wir eigentlich Äpfeln Birnen gegenüber. Zufriedenheit kann jeder nur für sich selbst definieren und nicht von anderen kopieren. Dafür muss man sich erst einmal mit sich selbst beschäftigen und herausfinden, was man im Leben wirklich will. Ein Blick auf andere Menschen kann ohne Zweifel den eigenen Horizont erweitern. Er kann einem aber nie die Entscheidung abnehmen, was für einen  richtig und gut ist. Das Original vergleicht sich nicht. Das tun nur Nachahmer und Neider. Zufriedener macht es sie nicht.