Manchmal erinnert mich das Leben an einen Flug. Man geht davon aus, dass es ein Langstreckenflug bis ins hohe Alter sein wird, sicher kann man dabei aber nicht sein. Wie beim Fliegen ist der Start ins Leben wichtig und bedarf voller Leistung. Die Tanks sind gefüllt, die Triebwerke bringen 100% Schub. Dies alles ist vergleichbar mit der Situation zu Beginn des Berufslebens. Die Ausbildung ist gemacht, das theoretische Wissen vorhanden und motiviert ist man sowieso. Man will es ja wissen, man hat Pläne und Träume. Was allein noch fehlt, ist die Umsetzung in die Praxis.
Ist der Start geglückt, hat man erfolgreich abgehoben, liegt der Steuerknüppel in der eigenen Hand. Entlang vorgegebener Routen bewegt man sich weg vom Heimatflughafen und beginnt den Steigflug. Die Instrumente sind im grünen Bereich, das Wetterradar verspricht ein gutes Flugwetter. Es ist ein schönes Gefühl, denn es geht nach oben – ganz nach Plan liegt man stabil in der Luft. Man ist verleitet, auf Autopilot zu schalten. Das Ziel ist klar vor Augen, die Reiseflughöhe will erreicht werden.
Doch je höher man kommt, desto unruhiger wird die Fluglage. Unerwartete Turbulenzen tauchen auf. Manche Unwetter würde man gerne umfliegen, jedoch lassen die Fluglotsen keine andere Route zu. Auch die große Freiheit über den Wolken hat so ihre Grenzen. Also muss man durch Gewitterzonen, die heftig ausfallen können. Mit Entschlossenheit, Ausdauer und genauso Glück durchfliegt man diese. Das Ziel ist weiterhin, die geplante Reiseflughöhe zu erreichen. Am Weg nach oben gewöhnt man sich nun an unruhigere Wetterlagen und lernt damit umzugehen. Man hat an Erfahrung gewonnen.
Irgendwann ist die Reiseflughöhe erreicht. Man ist erleichtert, freut sich und denkt, nun wird es ruhiger werden. Man möchte die Triebwerksleistung zurücknehmen, um Treibstoff zu sparen, denn man weiß, dass der Flug noch nicht zu Ende ist. Doch aus dem geplanten entspannten Flug wird nichts. Es sind viele andere Flieger unterwegs. Nicht alle halten sich an die Regeln und geben klar ihre Position und Richtung zu erkennen. Es sind die Momente, in denen man realisiert, dass auch die Reiseflughöhe den Griff zum Steuerknüppel erfordert. Die Luft ist dünn geworden und weiterhin wird viel Schub benötigt. Wer von Beginn an in einem größeren Flieger mit entsprechend größeren Tanks gesessen ist, hat nun Vorteile. Er kann weiterhin vollen Schub geben. Kleinere Flieger müssen mit ihren Ressourcen haushalten und die Geschwindigkeit zurücknehmen. Manchmal müssen sie auch ihre geplante Reiseflughöhe wieder verlassen. Dabei haben sie aber einen Vorteil gegenüber den großen Fliegern: Sie sind flexibler und wendiger. In turbulenten Zonen kann das entscheidend sein. Wie im richtigen Leben.
Lieber Markus! WUNDERBAR!
Ein bisschen Reinhard Mey „über den Wolken“ – manchmal ist das Leben härter auf der Erde, nicht nur wie bei der „Paris-Dakkar-Rally“ – holprig, steinig, unwegsam und unbekannt mit ebensolchen Begegnungen und deren Möglichkeiten! Mit bester Absicht sollten wir immer die gute Möglichkeit suchen u finden und diese nützen! Du bist ein wunderbarer Mensch, Deine Sensibilitäten SUPER! Danke lieber Freund
LikeLike